Kennst du das Gefühl, dass egal, wie sehr du dich anstrengst, es nie gut genug ist? Dass du innerlich getrieben bist, noch eine Extrarunde zu drehen, noch ein Detail zu optimieren – bis du völlig erschöpft bist?
Dann bist du nicht allein! Im Nachgang zu meinem Workshop “Turnierstress” haben mich zahlreiche Rückfragen genau zu diesem Thema erreicht.
Viele Reiterinnen fragen mich: Warum sehe ich den Perfektionismus als Energiekiller und potenziellen Performance-Räuber? Ist Perfektion nicht eigentlich etwas Gutes?
Der versteckte Energiefresser in deinem Kopf
Was viele nicht wissen: Perfektionismus ist wie ein heimlicher Energievampir. Er saugt dir still und leise die Kraft aus, während er dir vorspiegelt, dass du nur “noch ein bisschen besser” werden musst.
Dabei ist es wichtig zu verstehen: Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Perfektion und Perfektionismus.
Perfektion vs. Perfektionismus – ein lebenswichtiger Unterschied
Perfektion:
- Ist ein erstrebenswerter Wunsch-Zustand in bestimmten Bereichen
- Motiviert zu Qualität und Exzellenz
- Gibt Orientierung für echte Verbesserung
Perfektionismus:
- Ist eine zwanghafte Denkweise
- Führt zu ständigen Selbstzweifeln
- Raubt Energie durch nie endende Optimierungsschleifen
Die große Lüge des Perfektionismus
Perfektionismus gibt uns das trügerische Gefühl von Kontrolle. Wir glauben, wenn wir alles perfekt machen, können wir Fehler vermeiden, Kritik umgehen und immer die besten Ergebnisse erzielen. Aber die bittere Wahrheit ist: Perfektionismus ist einer der größten Energie-Killer, die es gibt.
Warum kostet Perfektionismus so viel Energie?
- Mentale Erschöpfung:
- Ständiges Überdenken jeder Entscheidung
- Endloses Analysieren von “Was wäre wenn”-Szenarien
- Permanente Selbstkritik und innerer Dialog
- Körperliche Belastung:
- Erhöhte Muskelspannung durch ständige Anspannung
- Stress-induzierte Erschöpfung
- Schlechtere Regeneration durch mentale Unruhe
- Emotionale Erschöpfung:
- Frustration durch unerreichbare Standards
- Angst vor Fehlern und Kritik
- Nie zufrieden sein können mit dem Erreichten
Der versteckte Preis des Perfektionismus
Was viele perfektionistische Reiterinnen nicht sehen: Sie zahlen einen hohen Preis für ihr Streben nach absoluter! Perfektion:
- Verlust von Intuition und Feel: Zu viel Kopf, zu wenig Gefühl im Sattel
- Blockierte Kreativität: Angst vor Fehlern verhindert neue Lösungen
- Reduzierte Leistungsfähigkeit: Paradoxerweise führt Perfektionismus oft zu schlechteren Ergebnissen
Die Kunst der richtigen Zielsetzung: Dein Weg aus der Perfektionismus-Falle
Ein oft übersehener Aspekt im Kampf gegen den Perfektionismus ist die Art und Weise, wie wir unsere Ziele setzen. Viele Reiterinnen fokussieren sich ausschließlich auf Ergebnisziele wie “Ich muss heute 75% erreichen” oder “Ich will fehlerfrei durch den Parcours kommen und den Sieg holen”. Diese einseitige Fokussierung auf Ergebnisse ist ein direkter Weg in die Perfektionismus-Falle – und damit zum Energieverlust.
Die drei Säulen erfolgreicher Zielsetzung
- Ergebnisziele:
- Geben Orientierung
- Schaffen Motivation
- ABER: Können Druck erzeugen und sind oft von äußeren Faktoren abhängig
- Prozessziele:
- Fokussieren auf den Weg
- Beschreiben, WIE du etwas erreichen willst
- Beispiel: “Ich entwickle eine fokussierende Startroutine”
- Reduzieren Perfektionismus-Stress durch Konzentration auf kontrollierbare Aspekte
- Handlungsziele:
- Konkrete, umsetzbare Schritte
- Direkt beeinflussbar
- Beispiel: “Ich nutze heute meine Drehbuch-Technik zur mentalen Vorbereitung”
- Geben Sicherheit und Struktur
Warum diese Balance so wichtig ist
Der Perfektionist in uns liebt Ergebnisziele – sie sind messbar, klar und scheinen Kontrolle zu versprechen. Aber genau hier liegt die Falle: Reine Ergebnisziele…
- erhöhen den mentalen Druck
- verstärken perfektionistische Tendenzen
- rauben wertvolle Energie durch ständiges Grübeln über mögliche Resultate
Die Lösung: Der ausbalancierte Ziel-Mix
Statt dich nur auf Ergebnisse zu fokussieren, verteile deine Energie auf alle drei Zielarten:
Beispiel für einen ausbalancierten Ziel-Mix:
- Ergebnisziel:
- “Ich qualifiziere mich für die Meisterschaft”
- Prozessziele dazu:
- Entwicklung einer stabilen mentalen Startroutine
- Aufbau von Stressresistenz durch regelmäßiges Mentaltraining
- Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit
- Handlungsziele für diese Woche:
- Täglich 10 Minuten Visualisierung mit der Drehbuch-Technik
- Drei Trainingseinheiten mit Fokus auf mentale Startroutine
- Ein Trainingsparcours unter Turnierbedingungen
Der energiesparende Effekt
Diese ausbalancierte Zielsetzung hat einen unmittelbar energiesparenden Effekt:
- Weniger mentaler Stress durch realistische, kontrollierbare Ziele
- Mehr Fokus auf den Prozess statt auf perfekte Ergebnisse
- Klare Handlungsanweisungen statt endlosem Grübeln
- Erfolgserleben durch erreichbare Teilziele
Der Weg aus der Perfektionismus-Falle
Wie kannst du diesen Energievampir besiegen? Hier sind einige Tipps und wichtige Schritte:
- Die 80/20-Regel leben:
- mit den wesentlichen 20% Aufwand die ersten 80% des gewünschten Ergebnisses anstreben, den Rest sukzessive erarbeiten
- sich bewusst machen: die restlichen 20% des Ergebnisse brauchen meist 80% Aufwand, je näher wir der Perfektion kommen, umso kleiner werden oft die Schritte und sichtbaren Erfolge.
- Bewusst “gut genug” zunächst akzeptieren lernen, und sich dann weiter entwickeln, mit einem soliden Fundament
- kreativ Reserven suchen, wo sie zunächst niemand vermutet, z.B. durch Mentaltechnik wie die Drehbuch-Technik das Reiten perfektionieren. Nicht immer das gleiche machen, die Herangehensweise verändern! Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann!
- Klare Grenzen setzen:
- Deadlines für Entscheidungen festlegen
- Trainingseinheiten zeitlich begrenzen
- “Perfektionismus-Zeiten” definieren und einhalten
- Den wahren Antreiber erkennen:
- Was steckt hinter deinem Perfektionismus?
- Welche Ängste treibt er an?
- Was genau willst du in den Griff bekommen?
- Welche Rolle spielen andere Personen in deinem Umfeld und deiner Biographie?
- Welche anderen Lösungen gibt es für diese Ängste?
Dein Weg zu gesunder Leistungsorientierung
Statt erschöpfendem Perfektionismus brauchst du eine gesunde Balance:
- Prozess- statt Ergebnisfokus: Jeden Schritt als Lernerfahrung sehen
- Realistische Standards: Hochwertige Arbeit ja, aber ohne Selbstzerstörung
- Energiemanagement: Bewusst Regenerationszeiten einplanen
- Mache dir klar: es ist okay, Perfektion als Ideal anzustreben, in dem Bewusstsein, dass es ein Ideal ist!
Fazit: Von perfektionistischer Erschöpfung zu energiegeladener Leistung
Die Kombination aus Ergebnis-, Prozess- und Handlungszielen ist oft ein wesentlicher Schlüssel, um aus der Perfektionismus-Falle auszubrechen. Sie hilft dir, deinen wertvollen Energiespeicher zu schonen und gezielt einzusetzen. Statt dich in perfektionistischen Gedankenspiralen zu erschöpfen, kannst du deine Energie nun für das einsetzen, was wirklich zählt: deine sportliche Entwicklung und die Freude am Reitsport.
Der erste Schritt zur Veränderung ist das Erkennen: Perfektionismus ist kein Freund deiner Leistung, sondern ein versteckter Energieräuber. Wenn du merkst, dass dein Perfektionismus dir mehr Energie raubt als er Nutzen bringt, ist es Zeit für eine Veränderung.
Möchtest du mehr darüber erfahren, wie du deinen Perfektionismus in gesunde Leistungsorientierung verwandeln kannst? Wie du mental stark und trotzdem entspannt Spitzenleistungen erreichen kannst? Dann lass uns in einem persönlichen Strategiegespräch herausfinden, wie ich dich dabei unterstützen kann.
Dieser Artikel ergänzt meine bisherigen Beiträge zum Thema Perfektionismus:
- [Perfektion und Perfektionismus im Reitsport]
- https://dunja-lang-mentalcoaching.de/perfektion-und-perfektionismus-im-reitsport-wie-wir-uns-selbst-im-weg-stehen-oder-entspannt-im-flow-spitzenleistung-erreichen/
- [Warum Perfektionismus nicht nur Kopfsache ist]
- https://dunja-lang-mentalcoaching.de/warum-perfektionismus-nicht-nur-kopfsache-ist/
- [Die Kunst der Zielsetzung]
- https://dunja-lang-mentalcoaching.de/die-kunst-der-zielsetzung/
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